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Mittwoch, 18. Juli 2012

Blondinen bevorzugt (oder: Auf ein Alster in’s Brauhaus)

Neulich, also neulich, wisst ihr, da war ich mal mit Ninchen, einer Kollegin Schrägstrich Freundin nach der Arbeit noch einen Trinken. Genauer gesagt war es einS, also ein Alster, in so einer Kneipe, oder ist es mehr ein Bistro? Nee, ich glaube, es ist eine Kneipe oder so, also neulich. In Hamburg. Kneipe. Alster. Sehr lecker üprigens, weil die machen das da selbst, das Bier, und das Alster dann natürlich auch. Nur die Limmo wohl nich. Die kaufen sie bestimmt.

Jedenfalls sind Ninchen und ich da hin, weil wir ne Runde quatschen wollten, wie Frauen das halt so tun, nich wahr? Ich sag üprigens Ninchen zu ihr, weil sie immer so lustig ist und lacht – da kann man ruhig ein „chen“ an den Namen ranhängen und so, find ich, und ich glaub, sie hat auch gar nichts dagegen.

Ninchen ist aber auch ne Blondine. So ne total blonde Blondine, und dann mit dem Lustig sein und Lachen… das fällt schon machem ins Auge. Da muss sich echt niemand drüber wundern.

Wir sind also lachend da rein, in die Kneipe, und haben erst mal nach nem Tisch geguckt, aber da war keiner, war alles besetzt. Also haben wir uns Hocker direkt am Tresen geschnappt. Ich persönlich find Tresen ja auch irgendwie cool, auch wenn man natürlich viel unbequemer sitzt, weil man sich ja nirgends anlehnen kann, nur am Tresen halt, und dann hockt man da, wie Leute eben so an einem Tresen hocken – nach vorne gebeugt und auf die Holzplatte gestützt. Egal. Das war jetzt auch voll nebensächlich.

Wie wir also da saßen, kam dann auch ein Kellner. Heißt das echt Kellner? Müsste da nicht noch eine andere Bezeichnung her? ‚Ober‘ geht gar nich, soviel ist schonma klar – aber Kellner hört sich auch übertrieben an. Servierer ist aber ja noch schräger.

Der Typ, der uns dann also fragte, was wir wollten, obwohl wir ja am Tresen saßen und der andere dahinter uns auch einfach über den Tisch hätte fragen können, der guckte gleich so und freute sich, Ninchen zu sehen. Die gefiel ihm wohl! Ist das jetzt voll gemein, wenn ich erwähne, dass das ein Ausländer war? Ausländer stehen immer ganz besonders doll auf Blondinen. Hab ich so beobachtet.

Klar haben Ninchen und ich das auch gleich bemerkt, wie er neugierige Augen machte und uns – also, nee, SIE – gefragt hat, ob wir (er meinte total NUR SIE!) öfter in die Kneipe da kämen. Es war grad Donnerstag, und wir waren echt schon ein paarmal an nem Donnerstag da, also hat Ninchen ihm das auch gesagt. Wir haben uns übrigens auch noch ne Weißwurst bestellt und geteilt, die es da gibt. Irgendwie ganz lustig, hin und wieder mal ne Weißwurst zu essen, zuzeln heißt das, hab ich mal irgendwann gehört. Also, eigentlich nimmt man ja die Wurst, ich weiß jetzt gar nich, ob einfach in die Hand, und zuzelt die Wurst aus der Pelle raus. Das ist so ein Lutschen und Saugen. Wenn man sich das so vorstellt oder sogar anguckt: das gehört echt nich in die Öffentlichkeit. Haben wir natürlich auch nich gemacht, dieses Zuzeln. Wir haben sie ganz normal mit Messer und Gabel gegessen, nur, dass wir uns eben eine Portion geteilt haben, was supergut geht, sind nämlich immer zwei Würste und wir hatten beide nich so viel Hunger. Hat er natürlich auch gleich kommentiert, dass wir (also Ninchen) so genügsam essen. Er hatte wohl Angst, sie könnte zu dünn werden und ihm dann nich mehr so gut gefallen. Aber an dem Tag hatten wir eben nich so viel Hunger. Muss ja auch mal sein dürfen.

Für ein zweites Alster hat uns dann auch die Zeit gefehlt, was echt schade ist, das ist wirklich total lecker! Ich kann es nur empfehlen, und Ninchen stimmt mir voll zu, das weiß ich!

Jedenfalls, als wir dann bezahlen wollten, guckte er ganz traurig und fragte noch, ob wir denn nächste Woche wieder kämen. Klar, mich hat der überhaupt nich gemeint, aber das muss ich ja jetzt wohl nich mehr erwähnen.

Als er mit der Rechnung kam, haben wir schon beide leicht misstrauisch auf den Zettel geschielt – wir haben nämlich gedacht, gleich schreibt er ihr seine Telefonnummer auf. Nee, da stand aber nix und hat er auch nicht draufgeschrieben.

Wenig später kam er aber nochmal schnell zu uns, und gab Ninchen so eine Visitenkarte mit ner Wegbeschreibung. Damit wir – ihr wisst schon: sie – den Weg auch wieder hinfänden. Hm-m. Ja. Nee. Is klar.

Als er weg war, haben wir uns kurz angeguckt, und dann hat Ninchen mal eben die Karte umgedreht. Jupp – DA stand sie: seine Telefonnummer.

(Nachtrag: Nee. Sie hat nicht angerufen.)

(Nachtrag 2: Die Kneipe gibt es in echt, und das Bier ist wirklich superlecker. Ich kann jetzt nicht sagen, ob Männer das auch so sehen, vielleicht ist das auch ein echtes Frauenbier, weil es recht süß ist und nicht so herb, aber trotzdem gar nicht fade und irgendwie auch ein bißchen anders schmeckt.)

(Nachtrag 3: Ach ja, der Name der Kneipe: Brauhaus Joh. Albrecht)

Sonntag, 15. Juli 2012

Was wir alles selbst tun können ...

... in Sachen Krebs.

Oder genauer: in Sachen Krebsvorbeugung oder wenn er uns gar doch erwischt hat. Was ja leider verdammt oft vorkommt.

Das Gute ist: Wir können eine Menge tun. David Servan-Schreiber hat darüber ein wirklich gutes Buch geschrieben. Das Antikrebs-Buch.

Er selbst war Psychiater. Ein Mediziner also, und er befasste sich mit neurologischen Untersuchungen, um die Struktur des Denkens besser zu verstehen. Dieser Tatsache verdankte er es, dass ein Hirntumor bei ihm zufällig entdeckt wurde. Er ließ sich operieren. Er vertraute auf die Medizin. Der Krebs kam wieder. Er ließ sich erneut operieren - und suchte anschließend danach, was er sonst noch tun könne.

Seine Arztkollegen waren ihm dabei die geringste Hilfe. Und das ist etwas, was ich sehr wichtig finde, es zu bedenken und ihn deswegen umso ernster zu nehmen: ein Arzt, der sich zuvor selbst auch mit Krebspatienten auseinanderzusetzen hatte, wird selbst zum Patient. Er wechselt die Seite, und erfährt, wie oft seine Kollegen den kranken Menschen im Stich lassen, weil sie

  1. vollkommen absorbiert sind von der Aufgabe, in ihrem eigenen, stetig wachsenden und doch so eingeschränkten Bereich möglichst auf dem aktuellsten Stand zu sein, und
  2. kaum dazu ausgebildet sind, sich mit MENSCHEN zu befassen, mit GANZEN, KOMPLEXEN SYSTEMEN, sondern überwiegend mit einem sehr abgegrenzten Bereich einer bestimmten Körperregion oder Krankheit.

Das ist eine sehr wesentliche Beobachtung, denn sie belegt, wie wichtig es ist, unser Leben nicht einfach den Medizinern zu übergeben und zu glauben, sie werden schon alles richten. Sie KÖNNEN es schlicht und einfach nicht, weil auch ihr Wissen begrenzt ist, auch ihre Kompetenz mit Krankheit umzugehen davon abhängt, wie sehr sie bereit sind, sich auf das Leiden ihrer Patienten einzulassen (sich ein "dickes Fell zuzulegen", wird immer noch gern als Schutzmaßnahme verstanden, um als "Helfer" nicht am Leiden des Patienten zu zerbrechen - nur: wo ein dickes Fell ist, ist eben keine Einfühlung, und wo keine Einfühlung ist, ist auch kein Verständnis. Es KANN kein Verständnis da sein, denn das emotionale VERSTEHEN wird ja verhindert durch das dicke Fell ...), und weil auch ihre ZEIT endlich ist. Es gibt so viel zu wissen - aber meistens reicht eben die Zeit nicht aus, es sich anzueignen!

Und so machte sich als David Servan-Schreiber auf die Suche. Er fand heraus, wieso Ernährung sich eigentlich auf die Gesundheit auswirkt und er beschreibt einige wesentliche Aspekte, wie zum Beispiel das Verhältnis von Omega3- zu Omega6-Fetten, das übrigens mit "Bio" im Sinne von artgerecht und natürlich einhergeht! Und natürlich geht es um eine gesunde Ernährung, die nun einmal viel Obst, Salat und Gemüse beinhalten MUSS. Das liegt in der Natur der Sache. Oder hat schon wer Pfannekuchen auf Bäumen wachsen gesehen?
Er befasst sich mit dem bewegten Körper - ich will jetzt nicht nur sagen: Sport, denn das greift zu kurz - und warum es so wesentlich ist, sich darum zu kümmern.
Er befasst sich mit einer gesunden, starken Psyche - denn es ist ein Unterschied, ob man scheinbar mit dem Leben und gesellschaftlichen Anforderungen (gut) klar kommt und vielleicht sogar (sehr) erfolgreich ist - oder ob man sich gut um sich selbst kümmert.

David Servan-Schreiber ist Wissenschaftler, und so verbindet er seine eigene Geschichte mit wissenschaftlichen Untersuchungsergebnissen aus diesen Bereichen. Er erzählt Geschichten von anderen Menschen, die Krebs hatten und ihn unterschiedlich gut auszubremsen verstanden, aber doch immer berichten, ihr Leben - das, was davon noch übrig war - habe gewonnen, indem sie aufhörten, nur die Medizin(er) für kompetent zu erklären und taten, was auch immer sie selbst tun konnten. Er klärt auf, was es mit Statistik auf sich hat und natürlich versteht er, worum es geht, wenn einer Krebs hat, denn er weiß es ja nunmal aus eigener Erfahrung.

Mir ist dieses Buch mehr oder weniger zufällig in die Hände gefallen. Trotzdem denke ich, es ist ein sehr lesenswertes Buch, selbst, wenn man sich "nur", und vielleicht sogar nur "ein wenig" für Gesundheit interessiert. Es macht jedoch vor allem Mut und bietet Orientierung, wenn es um mehr geht - um's blanke Überleben.

Donnerstag, 5. Juli 2012

Mit Yoga Depressionen begegnen

Der aktuelle Artikel auf Suite101 handelt davon, dass Yoga-Übungen Depressionen beeinflussen können. Kurzfristig, durch eine einzelne Yoga-Session, aber auch überdauernd, wenn es regelmäßig durchgeführt wird. Die Verhaltenstherapie nutzt die Wirkung von Ablenkung und Bewegung, um Depressive aus ihrem Loch zu holen. Yoga kann es zusätzlich erleichtern, weil viele Menschen mit einer anhaltenden, grundsätzlichen Stimmungsverbesserung auf das Training - und, ganz wichtig!!! - die dazugehörige GEISTEShaltung reagieren.

Freitag, 8. Juni 2012

Hmpf

Heute war ich zu Recherchezwecken unterwegs. Für einen Roman – nicht zu früh freuen, es geht um die allerersten Seiten – brauche ich ein paar Schauplatzeindrücke einer Geschäftsbank der gehobenen Sorte. Ich hoffte auf etwas feudales! So feudal, dass ich mit meinem bisherigen Gehalt niemals auf die Idee käme, ein solches Gebäude für eigene Zwecke zu betreten. Meine Ursprungsidee einer, wie ich glaubte, Paradebeispiel-Nobel-Bank: vernichtend normal! Hm(pf).

Immerhin hatte ich eine alternative Idee, noch bevor ich das Haus verließ. Und tatsächlich: die Commerzbank am Domshof kann sich sehen lassen. Die Fassade, der Eingangsbeich: wirklich beeindruckend! Und kommt man in die Schalterhalle (gut, auch der Zahn wurde mir gezogen – es bleibt dabei: Es gibt eine Schalterhalle und es ist immer noch „nur eine Bank“), findet man ein Interieur, das zumindest mir in diesem Moment nicht ganz so 08/15 erschien wie zum Beispiel der Counterbereich einer Spaßkasse. Noch dazu, da die Customer-Area mit einem faszinierenden Glasdach überdeckt ist. Ich habe mir bei diesem Anblick so gedacht, dass ich doch wohl nicht die einzige sein könnte, die sich davon tatsächlich faszinieren ließe und fragte nach Infomaterial zum Gebäude. Der grauhaarige, vom Leben und dem ewigen Sitzen vor dem Computer gebeugte Mann am Kassentresen lachte mich nicht aus, sondern zeigte sich sehr hilfsbereit.  Für den Moment konnte er mir aber nur versprechen, es weiter zu verfolgen und bat mich um meine Kontaktdaten.
Trotzdem: irgendwie hmpf.

Als ich mich dem Ausgang zuwandte, fiel mir meine (neu erstandene) Digitalkamera ein, die ich extra für den Fall der Fälle eingesteckt hatte. So könnte ich mir die Schnitzereien an den schweren Holztüren, die verschnörkelten Türgitter und die, alten Zeiten nachempfundenen, Deckenmalereien zuhause leicht wieder vor Augen führen und viel besser beschreiben als aus meinem furchtbar von architektonisch-künstlerischem Fachvokabular unbelasteten, und daher detailungenauen Gedächtnis! Allerdings hatte ich in meinem Wohnzimmer zuvor schon eine leichte Befürchtung gehegt, die sich nun bewahrheitete: Akku leer.
ARGH

Am Eingang entdeckte ich, immernoch voller Entdeckergeist, ein Wandschild, das auf Epoche und Architekten verwies. ‚Ha‘, dachte ich mir triumphierend, ‚schreib‘ ich es mir eben auf! Dann hab ich zumindest das!‘ Öffnete erneut meinen Rucksack (die Kamera hatte ich schon aus dessen Tiefen geholt und wieder zurückverfrachtet), entnahm diesmal Block und Stift, öffnete den Stift … und fand ihn ohne Mine.
(seufz)


Also, hiermit kann ich leider nur sagen: wenn es so weitergeht, dauert das mit dem Roman noch ein wenig. Und das wohl nicht nur in Bezug auf den Abschluss, sondern auch schon auf den Anfang …

Freitag, 4. Mai 2012

Make a laugh

Da sitze ich. Im Zug. Wie so oft. Ausgebreitet an einem Viererplatz mit Tisch. Gedanklich wehre ich alle potentiellen Mitsitzer ab, denn ich will mich nicht unterhalten. Auch finde ich es angemessen, für meine Beinfreiheit zu sorgen. Mehrfach die Woche so lange im Zug zu sitzen, tut dem Körper nicht wirklich gut. Da sollte es schon so bequem wie möglich sein. Und zu guter Letzt arbeite ich hier. Oder sowas in der Art. Heute zumindest steht mein Laptop vor mir und wird benutzt.
Ich bin nicht die Einzige mit diesem Revierverhalten. Neben mir am Viererplatz sitzt ein Mann etwa meines Alters. Auch er hat sich breit gemacht. Bei ihm sind es Papiere, die den Platzanspruch verdeutlichen. Ein Kinnbart gibt seinem Gesicht einen James-Hetfield-Touch und er trägt so einen Knopf im Ohrläppchen, diese Dinger, die so ziemlich jeder heute trägt, einen Tunnel. Das Teil ist allerdings klein und geschlossen. In dieser Größe habe ich mich tatsächlich mittlerweile an diese Art des Schmucks gewöhnt und es sieht immer noch besser aus als bei dem jungen Mann einige Sitze vor mir in Fahrtrichtung. Der, mit dem größeren Tunnel im Ohr und Ochsenring in der Nase. Immerhin: dessen Freundin hat diesen faszinierenden Dita-von-Teese-Pin-up-Girl-Look mit dickem, schwarzem Lidstrich und rosa Haartuch im blondierten Haar, durchaus süß! Nur leider auch mit Metall im Gesicht.
Hinter mir sitzt ein ca. 40-jähriger Mann mit rotem Pullover, dem ich den Platz vor der Nase weggeschnappt habe. Ich hätte mich auch noch auf die andere Seite des Abteils setzen können, aber ich bevorzuge nunmal die Sonnenseite. Auch wenn es heute wolkig ist – man weiß ja nie! Er hat diesen anderen Platz vielleicht nicht gesehen. Wäre zumindest möglich, denn er sitzt mit dem Rücken zu mir, gegen die Fahrtrichtung und teilt sich den Tisch mit einem anderen Fahrgast. Aber auch sie reden nicht miteinander.
Wie immer herrscht also eine Atmosphäre des sich-gegenseitig-ignorierens. Soll mir recht sein. Allen anderen vermutlich auch.
Aber manchmal kommt einem etwas dazwischen.
In Buchholz hören wir die obligatorische Verabschiedung der aussteigenden Fahrgäste und den Hinweis auf die Anschluss… - es gluckst im Lautsprecher - …verbindungen mit dem Erixx in Richtung Hannover. Aber damit hat es sich auch schon.
Kurz vor Hamburg werden wir jedoch, natürlich freundlich, darauf hingewiesen, dass wir nun gleich angekommen sind. Es wackelt. In der Stimme. Der Zugbegleiter sammelt sich, und fährt fort: „Wir verab…“, es gluckst wieder, „…schieden uns“, glucker, „von allen …“. ...
„Bitte entschuldigen Sie!“, prustet es uns aus den Lautsprechern entgegen. Zur Antwort prustet und kichert es von allen Seiten um mich herum zurück, auch ich lache amüsiert. Mitnichten, der Herr – gar nicht notwendig, irgendetwas zu entschuldigen. Wir alle haben unseren Spaß!
Und ganz unversehens schauen wir einander in die Augen, grinsen uns an, und der Metallica-Typ erzählt gleich noch von dem Fahrgastbetreuer, der für 15 Minuten nicht mehr aufhören konnte, zu lachen …

Mittwoch, 25. April 2012

No presents, please!

Ich liebe Geschenke. Ja, wirklich! Ich liebe Geschenke. Schon allein deswegen mag ich weder auf meinen Geburtstag, noch auf Weihnachten oder sonstige Gelegenheiten verzichten, an denen ich sicher sein kann, etwas geschenkt zu bekommen! Ich LIEBE Geschenke!!!

Das geht aber nicht jedem so.

Letzte Woche feierte meine Freundin C. ihren 50ten Geburtstag. Sie lebt seit einiger Zeit in Köln, kam aber nach Bremen, denn zuvor war sie hier zu Hause. Und hier versammelte sie ihre Freunde für diesen speziellen Tag um sich.
Sie wünschte sich eine Spende an das Kinderhospiz Löwenherz – und ganz ausdrücklich: keine Geschenke!
Das ist kein neuer Zug von ihr. Ganz im Gegenteil. Ich kenne sie nicht anders. Und alle anderen mit Sicherheit auch nicht! Natürlich kann man damit argumentieren, dass es ihr schlicht schwer fällt, sich etwas geben zu lassen, während sie selbst absolut großzügig ist. Vielleicht ist es manchmal sogar genau aus diesem Grund wichtig, ihr mehr zu geben, als sie erwartet! Aber das ist eine andere Geschichte. Hier geht es vorerst darum, ihren Wunsch zu erfüllen. Ihr Wunsch war: KEINE (!!!) Geschenke.

Hat nicht geklappt.

Wie die meisten Frauen kauften fast alle ihrer Freundinnen eine hübsche, sperrig eingepackte, natürlich annähernd (ver-)brauchbare, aber überflüssige Kleinigkeit. Vermutlich hofften sie, dass nicht allzusehr auffiele, dass sie den Wunsch des Geburtstagskindes schlicht ignorierten. Statt dessen schenkte eine jede sich selbst etwas: die Erleichterung, nicht gegen ihre Gewohnheit und die gute Erziehung zu verstoßen, die behauptet, es gehöre sich einfach, zu einer Einladung ein Präsent zu überreichen. Ist das so?

Ist es nicht vielleicht sogar respektlos, der Bitte zuwider zu handeln?
Oder egoistisch? Ist es nicht im harmlosesten Fall gedankenlos, wo man doch eigentlich das Gegenteil demonstrieren möchte? Denn welche dieser Freundinnen hat tatsächlich darüber nachgedacht, worüber C. sich wirklich gefreut hätte? Welche der Freundinnen hat versucht, ihre eigenen Bedürfnisse (bloß nicht mit leeren Händen dastehen!) weniger wichtig zu nehmen als die Person, um die es angeblich ging? Vielleicht hätten sie ihr kein größeres Geschenk machen können, als ihren Wunsch zu erfüllen. Vielleicht hätte jede klarer sagen können: „Ich sehe Dich. Ich kenne Dich. Ich respektiere Dich.“, indem sie ihr die Leichtigkeit leerer Hände geschenkt hätten? Indem sie ihr erlaubt hätten, einfach C. zu sein, die keine Geschenke haben möchte?

Und als wäre das noch nicht genug, worüber man sich Gedanken machen könnte, so hatten all die schönen Gaben noch einen weiteren Makel: C. war mit dem Zug angereist. Und wer bitte reist gern mit viel Gepäck im Zug? Nicht mal ich. Und ich liebe Geschenke.

Dienstag, 27. März 2012

Wie man seine Familie (und sich selbst) verblüfft

Man nehme: einen Geburtstag und eine Familie, die einem Gutes beschehren möchte – in Form einer Beigabe zu einem Drahtesel.

Weiterhin nehme man den Anspruch, sich ein paar Gedanken zu jenem zu erstehenden Drahtesel machen zu wollen – gemäß einem sehr allgemeinen Anspruch, selbst einem geschenkten Gaul ins Maul zu schauen. Schließlich ist der Beschenkte anschließend Nutzer jenes „Gauls“, in diesem Fall eben des Drahtesels.

Zusätzlich funktioniert das Ganze am besten in einer Familie, die es ziemlich überflüssig findet, dass diese verflixten geschenkten Gäule auch noch relativen Ansprüchen – nämlich jenen der Beschenkten – genügen sollen. Das führt zu einer gewissen Lästerhaftigkeit jener schenkenden Familienmitglieder gegenüber dem beschenkten Familienmitglied. Da beschenktes Familienmitglied das aber zu ignorieren gedenkt, forscht es also nach persönlichen Möchte-gerns. Und findet Auswahlkriterien, die dem Geschenk die wesentliche Würze der Freude über den Erhalt des Selbigen verleihen würden. Kurzfristig und hoffentlich auch langfristig.

Man nehme an, diese Auswahlkriterien seien eingestuft nach: DAS macht vieles wett; jenes wäre schön; dieses ist, was im Kopf ist, die Realität kommt ggf. ohne aus. DAS ist ein Lenker gewisser Form (gebogen, sportlich), jenes wäre ein Kettenschaltung mit mehr als drei Gängen, dieses … ist ein Herrenrad (Rahmen mit Querstange. Es ist einfach cooler, das Bein über den Sattel zu schwingen) unter dem (relativ unsportlichen) Damenhintern. Ach – und eher breitere Reifen. Das Draht-Hottehü muss in der Stadt verwendbar sein. Ich sage nur: Kopfsteinpflaster.

Mutter und Bruder haben bereits gelästert. Beschenkte Tochter/Schwester in spe ist nicht sonderlich zuversichtlich für den ersten Gang in die Fahrradläden, sondern eher neutral gestimmt auf eine Sondierung des Terrains.Überdies ist das Budget deutlich begrenzt. Bruder lästert sowieso, präziser hält er es für ziemlich absolut unwahrscheinlich, so einen komischen Lenker zu finden, der ihm in der Form unvertraut ist und überhaupt - nicht bei der Verwandtschaft!

Schwester – die ziemlich lange nicht Fahrrad gefahren ist, welches nicht fest an Ort und Stelle montiert, sondern, der Himmel bewahre, beweglich(!) ist – soll zu allem Überfluss bereits den Weg zum neuen Gefährt(en) auf zwei Rädern bewältigen. ARGH! Das ist wackelig!!!! Alle bei Seite!!!!!!!!! (Der erste Pfosten kam schon gefährlich nahe).

Vier Shops – keine Gebrauchträder.

Fünfter Bike-Verkäufer – mit tatsächlich einigem im Angebot. Und gleich vorne an: Lenker, der grob an eine 8 erinnert (auch Multifunktionslenker genannt). Breite Sohlen. Kettenschaltung (weiß noch nicht genau, wieviel Gang – 24?). Federung. Herrenquerstange (Brüderchen plädiert noch für den „tiefen Einstieg“…).

„Ich fahre das Teil dann mal Probe, ist das in Ordnung?“ „Können Sie gern machen – aber es ist reserviert bis morgen.“ Reserviert??? Neeeeee, das ist jetzt nicht ..! Ist es nicht, oder? Trotzdem Probefahren und ankündigen, man würde es sofort kaufen, wenn es soweit ok ist. Natürlich ist es. Da man, also die Beschenkte in Spe, also ich (räusper), aus Jugendtagen noch die Erinnerung an ein Rennrad in sich trägt – vielleicht sogar im Körpergedächtnis – fährt es sich weit sicherer, stabiler als das andere Modell für den Weg. Das wär’s! Das will ich haben!

Die Ankündigung hat gewirkt. Wer zuerst kommt, malt (mahlt?) zuerst. MEINS!
Und ach - es blieb sogar mit Schloss unter dem Preislimit.

Man nehme also ein angedachtes Geburtstagsgeschenk, lästernde Verwandtschaft, grundsätzlich klare Wünsche, finanzielle Rahmenbedingungen und eine relative Offenheit für das, was da kommen möge – und alle sind verblüfft! Nach einkommafünf Stunden habe ich das Fahrrad meiner aktuellen Träume J

Donnerstag, 22. März 2012

Ein kleines Herzklabustern

Seit knapp drei Wochen warte ich nun auf mein Diplom. Vorausgesetzt, ich habe bestanden. Jeden Tag werde ich etwas nervöser, das Warten bekommt zunehmend mehr Dringlichkeit. Aber es ist angemessen. Immerhin ist der erste Zeitpunkt – sechs Wochen – nun ja auch um. Genau genommen ist es schon der zweite Zeitpunkt, denn vier Wochen sollte die Bewertungsphase laut DPO nicht überschreiten. Auf sechs bis acht Wochen verlängern die Prüfer diese Frist laut Prüfungsamt dann aber doch meistens. Nun sind also auch die sechs Wochen um. Und ich warte.
Heute lag ein Brief von der Uni auf den Stufen im Hausflur. Ein kleiner Umschlag. In Amerika ist es eine gute Nachricht, wenn von der Universität auf die Bewerbung um einen Studienplatz ein kleiner Umschlag kommt. In dem großen werden vermutlich die Bewerbungsunterlagen zurückgeschickt. Ich befürchte eine schlechte Nachricht. Das Diplom hat schließlich DIN-A4-Format, wird sicher auf dickerer Pappe gedruckt sein und bestimmt nicht geknickt. Hey, das ist immerhin ein wichtiges Dokument!
Ich hatte nicht vor, lange rumzueiern, wenn der Brief da ist – ist schließlich kein Pflaster, bei dem es weh tut, wenn man es abreißt. Noch dazu bin ich gerade „auf dem Weg“, habe also auch nicht viel Zeit. Ich reiße den Umschlag recht unzimperlich auf. Da steht was von Diplom. Und Schließung. In meinem Hirn hakt es. Schließung? Was für ein merkwürdiger Ausdruck für den Abschluss.  Ich versuche es nochmal, jetzt mit lesen.
„Betreff: Schließung des Diplomstudiengangs zum 30.09.2013.“
Ach so! Kenn ich doch schon. Die erste Ankündigung dazu kam schon vor etwa einem Jahr.
Nur das mit dem Warten – das ist noch nicht vorbei.  

Montag, 19. März 2012

Ich habe ein Gesicht!

Seit einiger Zeit wohne ich nun in Bremen. Und von dort aus fahre ich gelegentlich, so 2-4x die Woche, nach Hamburg. Mit dem Zug. Das ist eine laaaaaange Fahrt. Die versüße ich mir ganz gern mal mit einem Kaffee to go.

Einmal konnte ich mir den Luxus bei meinem Lieblings-Kaffee-Macher nicht leisten. Also ging ich zu einem Anderen. Der Kaffee dort ist günstiger. Und dann stellte ich auch noch fest: er schmeckt besser – und hat genialen Schaum! Ich hab dann mal dauerhaft den Anbieter gewechselt.

Als ich dort erst kurz Kundin war, musste ich jedoch eines nicht so schönen Tages mein flüssiges Trostpflaster in den Ausguss kippen – die Milch war sauer. Das stellte ich natürlich erst im Zug fest, daher konnte ich meinem Verkäufer erst am nächsten Tag von meinem Kummer berichten. Ich war wohl die Einzige, der es so ergangen war, denn die Blicke, die ich erntete, waren ein wenig schief und misstrauisch. Aber ich bekam meinen Latte an diesem Tag umsonst. Das war auch gut so, denn dadurch in meiner Wahl für sein Angebot bestärkt, hielt ich ihm die Treue!

Heute hatte ich Zeit. Ich musste vor Fahrtantritt noch etwas erledigen, und das ging schneller als geplant. Vor mir war noch eine andere Kundin, die auch auf sich aufmerksam machte, als der Ladenbesitzer nachfragte, wer an der Reihe sei. Natürlich gab ich ihr Recht! Außerdem, wie gesagt: ich hatte ja Zeit.
Während er nun ihre Bestellung abrechnete, fiel sein Blick kurz auf mich: „Latte?“ Klar Latte. Immer Latte. Wie schön: Jetzt weiß ich, dass ich als Kundin ein Gesicht habe. Und mein Gesicht und ich und der Latte, wir zogen zufrieden grinsend Richtung Zug...

Mittwoch, 14. März 2012

Fühlen und Denken verboten!

Meinungsfreiheit wird nicht sonderlich groß geschrieben in Vietnam. Genau genommen sogar eher klein. Besser noch, man hat gar keine Meinung. Bui Chat jedoch hat eine Meinung. Also schreibt er. Er schreibt Gedichte. Gefährliche, kleine Gedichte. Über Gefühle. Und vielleicht auch ein wenig Politik. Gefühle sind gefährlich. Gefühle in Bezug auf Politik sind noch sehr viel gefährlicher! Denn wenn die jemand läse, könnte er auf die Idee kommen, ebenfalls darüber nachzudenken, ob er Gefühle hat. Oder gar eine politische Meinung. Naja, zum Glück kann man als Regierung etwas dagegen tun! Menschen mit gefühlvollen Meinungen landen in Gefängnissen. So einfach ist das.

Den Bericht über Bui Chat kannst Du in der ZeitCampus-Ausgabe Nr. 2, März/April 2012, nachlesen.

Montag, 12. März 2012

Es ist aus!

Ich habe meiner Waage die Freundschaft gekündigt! Sie ist einfach nicht nett zu mir. Und das nur wegen ein bißchen Pizza und Eis und Chinese... Nein!
W-i-r-k-l-i-c-h  n-i-c-h-t  n-e-t-t.

Freitag, 9. März 2012

Neues von der Schaufensterfront

Senfgelb hängt es da. Nicht einfach nur auf einem Bügel, aber auch nicht an einer vollständigen Figur. Vollständige Figuren, am Ende auch noch mit Haar und blickenden Augen, sind nicht modern. Nicht modern ist nicht gut. Nicht hier. Der Kopf fehlt also. Das ist modern.
Seidiger Stoff, seidiger Glanz, verstärkt durch den gerichteten Strahler.
Runder Halsausschnitt mit dem doppelt genommenen Stoff, quer zum Faden laufend. Senfgelb. Seidig. Glänzend. Teuer.
Der gerade Schnitt – nein! Gar nicht mal. Eher leicht bauschig. Ganz leicht. Kaum erkennbar. Gerade genug, um zu umschmeicheln. Um zu umspielen. Am unteren Rand, am Saum, weit höher als handbreit über dem Knie, trüge es eine lebende Figur, eine Frau, wieder doppelt genommener Stoff, ein optischer Abschluss, nicht ganz Bund, aber doch leicht verengt. Seidiges senfgelb. Teuer glänzend. Glänzend für 319,- €.
So hängt es da. Teuer. Mit einem Namen. Ohne Namen würde es hier nicht hängen. Nicht hier. Hier ist es modern, hier ist ein Name, hier ist teuer.
Draußen ist es dunkel. Draußen ist es kalt. Draußen ist kaum einer mehr. Bis es losprustet. Mitten aus dem Dunkel. „Das sieht ja aus wie ein Kartoffelsack!“
Ein dreihundertneunzehneuroteurer Kartoffelsack. Seidiggelb senfglänzend. Mit einem Namen.

Dienstag, 6. März 2012

Gestern auf finya.de


Gestern auf finya.de wurde ich angeschrieben. Tatsächlich! Und wenn ich schon angeschrieben werde, dann guck ich mir auch an, wer mir Aufmerksamkeit schenkt. Er war jetzt nicht der Mega-Hammer-Typ, aber auch nicht unansehnlich. Aber er war...verheiratet. Ich schaute weiter. Denn diese Tatsache heisst ja nicht zwingend, dass er auch vor hat, es zu bleiben. Oder dass dieser Zustand noch lange anhält, weil er bereits in Auflösung begriffen ist. Aber mitnichten. Im ‚persönlichen Statement' offenbarte sich das viel zu übliche, langweilige Gebahren: Die Suche nach Abenteuer, Erotik, Neuem.
Ich frage mich in solchen Momenten: ‚Warum, verdammt nochmal, bist Du verheiratet???'

Ehrlich wie ich bin, offenbarte ich ihm, dass ich keinen verheirateten Mann suche. Pfiffig wie er war, teilte er mir mit, dass ich das ja gar nicht müsse – er habe mich ja schon gefunden. Ach, seufz. Noch mehr Langeweile! Männer die ihren Charme und Witz spielen lassen, um zu erobern, aber nicht, um sich einzulassen. Nicht, um tatsächlich in Verbindung zu treten.

Ich schrieb, es sei davon auszugehen, dass zwischen uns wohl niemals Sex stattfinden würde, denn ich suche Menschen, die für mich auch erreichbar seien!
Bei oberflächlichen Affairen ist das ja in der Regel nicht der Fall.

Irgendwie hab ich danach nichts mehr von ihm gelesen…